Wasser wird knapp: Der österreichische FOSTER-Projektpfad am Neusiedler See zieht Bilanz
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Der Sommer 2022 war der viertwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 164 Jahren. Podersdorf war mit nur 140 Millimetern Niederschlag der trockenste Ort Österreichs, Andau mit 875 Sonnenstunden der sonnenreichste. Der Zicksee trocknete vollständig aus, der Wasserstand des Neusiedler Sees erreichte einen historischen Tiefststand – und einige Lacken im Seewinkel verschwanden diesen Sommer ganz.
Genau in dieser grenzüberschreitenden Region zwischen Österreich und Ungarn, geprägt von UNESCO-Welterbe, einzigartigen Naturräumen, Landwirtschaft und Tourismus, hat Foster Europe im Rahmen des EU-Projekts FOSTER (Future Oriented Solutions Toward Environmental Resilience) einen partizipativen Prozess zur Zukunft des Wassermanagements angestoßen.
Ein Diskurs für alle Beteiligten
Ziel des österreichischen lokalen Pfads war es, gemeinsam mit einer möglichst breiten Gruppe an Beteiligten und Betroffenen einen partizipativ entwickelten Wassermanagementplan für die Region Fertő / Neusiedler See – Seewinkel zu erarbeiten. Begleitet wurde der Prozess von den assoziierten Partnern Nationalpark Neusiedler See und Esterhazy Betriebe AG.
Über mehrere Monate hinweg nahmen mehr als 700 Personen am Diskurs teil: Bürger:innen, Zivilgesellschaft, Landwirtschaft und Tourismus, Wasserverbände, Kammern, Verwaltung und Politik, Grundbesitzer:innen und Religionsgemeinschaften. In einer eigenen Veranstaltung setzten sich auch Jugendliche mit der Wasserthematik auseinander und schlüpften in einem Rollenspiel selbst in die Rolle von Entscheidungsträger:innen. Wissenschaftler:innen und Praxisexpert:innen lieferten dabei durchgehend die faktische Grundlage für die Gespräche.
Die unterschiedlichen Interessen – Naturschutz, Landwirtschaft, Tourismus, Bevölkerung und Allgemeinheit – verliefen dabei nicht immer parallel. Umso bemerkenswerter: Im Laufe des Diskurses erkannten die Beteiligten zunehmend die Bedarfe der jeweils anderen Seite an und signalisierten Bereitschaft, ihre Wassernutzung im Hinblick auf den Klimawandel anzupassen.
Was jetzt ansteht
Bei der lokalen Schlussveranstaltung wurden die nächsten Schritte gemeinsam definiert – von technischen und regulatorischen Maßnahmen bis zur Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung:
Technisch: verstärkter Wasserrückhalt im Seewinkel, Optimierung der Wasserzuleitung zum Neusiedler See, Unterstützung beim klimaangepassten Fruchtwechsel in der Landwirtschaft
Regulatorisch: Neudefinition der Wasserrechte an Grundwasserpegel, Anpassung der Raum- und Städteplanung zur Vermeidung von Aufheizung und Verdunstung
Im Diskurs: Fortsetzung des Dialogs unter Einbindung der Landesregierung und stärkere Zusammenarbeit mit der ungarischen Seite
Gesellschaftlich: ein Umdenken von Wasser als scheinbar unbegrenzt verfügbarem Gut hin zu einer wertvollen, teils knappen Ressource
Ein Modell für andere Regionen
Das Projekt zeigt: Ein sachlicher, faktenbasierter und breit partizipativer Diskurs zu den Fragen des künftigen Wassermanagements ist nicht nur möglich, sondern von den Menschen vor Ort ausdrücklich gewünscht. Damit die Ergebnisse Wirkung entfalten, braucht es nun die aktive Beteiligung der zuständigen Entscheidungsträger:innen auf Landes- und Bundesebene.
Der österreichische Pfad ist einer von sieben lokalen Pfaden, die im Rahmen von FOSTER in unterschiedlichen europäischen Regionen entstanden sind.
Wie die anderen Pfade ihre Herausforderungen angegangen sind, und welche gemeinsamen Lehren sich daraus ziehen lassen, diskutieren wir bei der FOSTER-Abschlusskonferenz am 17. September 2026 im Bruno Kreisky Forum in Wien. Mehr erfahren / Anmeldung →
Water Is Running Short: The Austrian FOSTER Path Around Lake Neusiedl Takes Stock
The summer of 2022 was the fourth-warmest since weather records began 164 years ago. Podersdorf, with just 140 millimetres of rainfall, was the driest place in Austria; Andau, with 875 hours of sunshine, the sunniest. The Zicksee dried up completely, the water level of Lake Neusiedl hit a historic low – and several ponds in the Seewinkel disappeared altogether that summer.
It is precisely in this cross-border region between Austria and Hungary – shaped by UNESCO World Heritage landscapes, unique natural areas, agriculture and tourism – that Foster Europe launched a participatory process on the future of water management, as part of the EU project FOSTER (Future Oriented Solutions Toward Environmental Resilience).
A Discourse for Everyone Involved
The goal of the Austrian local path was to develop a participatory water management plan for the Fertő / Lake Neusiedl – Seewinkel region together with as broad a group of stakeholders as possible. The process was supported by the project's associated partners, Nationalpark Neusiedler See and Esterhazy Betriebe AG.
Over several months, more than 700 people took part in the discourse: citizens, civil society, agriculture and tourism, water associations, chambers, administration and politics, landowners, and religious communities. In a dedicated event, young people also engaged with the issue of water, taking on the roles of decision-makers in a role-playing exercise. Scientists and practitioners provided the factual grounding for the discussions throughout.
The interests at stake – nature conservation, agriculture, tourism, the local population and the general public – did not always align. All the more remarkable, then, that over the course of the discourse participants increasingly recognised each other's needs and signalled a willingness to adapt their water use in light of climate change.
What Comes Next
At the closing event, participants jointly defined the next steps – ranging from technical and regulatory measures to raising public awareness:
Technical: increased water retention in the Seewinkel, optimising the water supply to Lake Neusiedl, supporting climate-adapted crop rotation in agriculture
Regulatory: redefining water rights in line with groundwater levels, adapting spatial and urban planning to reduce heating and evaporation
Discourse: continuing the dialogue with the involvement of the provincial government, and stronger cooperation with the Hungarian side
Societal: a shift in thinking about water – from a seemingly unlimited free good to a valuable, at times scarce resource
A Model for Other Regions
The project shows that a factual, evidence-based and broadly participatory discourse on the future of water management is not only possible, but explicitly desired by the people on the ground. For the results to have real impact, the active involvement of decision-makers at provincial and national level is now needed.

